Depressionen durch Kreativität überwinden – Ein Gespräch mit Katja Aujesky

Katja Aujesky macht Musik. Dass dies das einzig richtige für Sie ist, hat Sie bereits nach dem Schulabschluss gemerkt. Nach dem Abi begann Sie Jazz zu studieren, spielte in einigen Bands und nahm vor einigen Jahren sogar bei The Voice Of Germany teil. Damals war sie im Team “Nena”. Heute ist sie eher Team “Katja”- also ihr ganz eigenes Team. Und das klappt ganz gut.

Foto: Nicole Stieben

Katjas Songs sind traurig. Eine Kompensation ihrer Depressionen. Die mal präsenter waren als jetzt gerade. Dass Künstler und Künstlerinnen mithilfe von Musik ihre Ängste und psychischen Probleme verarbeiten ist jedoch nichts ungewöhnliches. Doch es hilft wohl sehr oft. So auch bei Katja. “Singen war schon von klein auf die perfekte Art um mit mir selber Kontakt aufzunehmen.” Am Klang ihrer Stimme weiß sie direkt was los ist: “Deine Stimme lügt dich nie an. Ich höre an meiner Stimme immer, was bei mir in dem Moment abgeht und wie es mir geht. Und bei einer Depression ist diese Verbindung ein wenig gekappt.”

So schlägt Katja in ihrem Song “Der See” eine deutlich tiefere Stimmlage ein. Das war gerade bei dem Lied auch ungewohnt für sie, da sie sonst eher in Sopran-Stimme singt. “Der Song ist aber auch schon über ein Jahr alt. Mittlerweile singe ich solche tiefen, schweren Songs anders – mit mehr Leichtigkeit. Das bekomme ich auch oft zu hören, das fällt auch anderen auf.”

Foto: Nicole Stieben

Bei Depressionen verliert man den Zugang zu sich selbst. Das meint auch Katja. Aber tragen Depressionen auch dazu bei gute Kunst zu schaffen? Sind sie für einen Künstler oder eine Künstlerin vielleicht sogar notwendig? Muss ein Künstler / eine Künstlerin zuerst genug gelitten haben, um überhaupt etwas zu erschaffen, was andere dann berührt? “Durch Depressionen und auch andere prägende, vielleicht negative Erfahrungen wird Kunst natürlich Gewicht verliehen. Das finde ich schöner und so kenne ich es auch nur von Künstlern. Allerdings kann das auch in einen Teufelskreis übergehen. Du wirst andauernd enttäuscht von außen und suchst dir Leute, die dich andauernd enttäuschen. Das macht man unbewusst und irgendwann denkt man sich ‘alles ist scheiße, ich muss hier raus.’ An sowas geht die Lebensqualität dann total den Bach runter. Ich habe mich irgendwann komplett zurückgezogen und mich dann nur durch meine Musik nach außen mitgeteilt.”

Foto: Nicole Stieben

Menschen, die einem nicht gut tun, können also eine wichtige Inspirationsquelle sein. Denn zu sagen hat man oft mehr, wenn einen keiner wirklich versteht. Aber geht es auch andersherum? Kunst, die durch Freude zustande kommt? “Auf jeden Fall”, meint Katja. “Das ist eine spannende Synergie. Auch Leute, die einem guttun, können auch für unfassbar schöne Inspiration für gute Songs sorgen! In meinen fröhlicheren Phasen hatte ich auch absolut keine Lust auf meine traurigen Texte.”

Diese positive Synergie kommt auch auf Katjas aktueller EP “Blauer Mond” zum Ausdruck, auf der sie mit zahlreichen Gastmusiker/-innen wie Andi Fins, Catt, Marie Marie oder Amour Fou gearbeitet hat.

Stimmt, denn es gibt tausende Songs, die von Freundschaft, Zufriedenheit und euphorischer Verliebtheit handeln. Phasen, in denen man auch viel mehr Energie hat. Doch woher nimmt man sich genug Kraft für die Kunst zusammen, wenn man in einer Depression ausharrt? “Zum einen war es immer der Kontakt zu meiner Stimme, der mich irgendwie ein wenig aufbaute. Meine Welt in der ich funktionieren kann. Das ist wie ein sicheres Zimmer für mich. Meine Stimme ist immer da, es ist sowas wie ein Ausweg für mich. Und dann kommt auch irgendwann der Punkt, an dem die Songs fertig sind und du dir denkst ‘hm was mache ich jetzt damit’? Dann musst du einfach weiter machen, weil du es teilen willst. Es ist dann wie ein Kind, worum du dich kümmern musst.”

Foto: Nicole Stieben

Während der Zeit, in der Katjas Depressionen am stärksten waren, bekam sie professionelle Hilfe, was ihr aus einem depressiven Loch zunächst herausgeholfen hat. Und bis heute scheint Katja ein stabiles Gleichgewicht gefunden zu haben. Ihre Kunst leidet dabei aber nicht. Von der Muse wird sie trotzdem noch häufig geküsst: “Vor allem vor dem Schlafengehen kommen mir die besten Ideen. Und beim Spazieren. Zugfahren ist der Hammer! Durch die ständige Bewegung wird der Geist total angeregt.” Melancholisch bleibt es trotzdem. Katja Aujeskys EP “Blauer Mond” ist seit dem 10. Mai zu hören und beinhaltet zudem auch eine Akustik-Version von “Der See”.