Mac Demarco – Here Comes The Cowboy: Ein Slacker wird erwachsen

Mac Demarco ist ein Künstler, der etwas geschafft hat, was nicht viele schaffen: Den Style einer ganzen Subkultur, ja vielleicht sogar Generation, prägen.

Leicht ungepflegt, im Vintage-Flanell selbst gedrehte Zigaretten rauchend stürmte er 2012 den Olymp der Indie-Szene. Und da blieb er mit seinem rohen DIY-Sound, der immer von einer kindischen Unbekümmertheit geprägt ist, die nächsten Jahre. Seine Live-Shows, die eher großen Chill-Outs in einem Studentenheim gleichen, haben seither wie er selbst Legendenstatus erreicht. Nun scheint es als wäre das ewige Skater-Kid von nebenan erwachsen geworden.

Auf der neuen Platte „Here Comes The Cowboy“ zeigt sich Demarco nachdenklich, ja geradezu reflektiert. Die ADHS-Attitüde von früher scheint verflogen. Gewichen ist sie einer konzentrierten Kreativität die sich dem Minimalismus bedient: Minimalistisch sind sowohl die Texte als auch die Instrumentierung geworden, die typische E-Gitarre mit Choruspedal ersetzt er durch wundervoll aufgenommene akustische Instrumente und sparsame Synthesizer. Es wirkt als hätte Demarco sich in Meditation geübt, als hätte er sich sowohl charakterlich als auch mental gefangen…und als hätte es ihm gut getan. Das Album zeigt einen Künstler auf der Spitze seiner Kreativität, im Reinen mit sich selbst, der es schafft mit einfachsten, altbekannten Klängen eine ganz spezifische Atmosphäre zu schaffen, die auch den Zuhörer dazu verleitet in sich zu gehen, zu entspannen, zu reflektieren und das Leben zu schätzen. Die Songs erinnern an minimalistische Bleistiftskizzen, an kleine Gedichte auf Servietten geschrieben, an den frühen Bob Dylan, an Leonard Cohen. Nur mehr laid-back. Die Arrangements sind ausgeklügelt, jedes der sparsam eingesetzten Instrumente an der richtigen Stelle, die Einflüsse aus 60s-Folk und Country kaum zu überhören.

Mac Demarco mag mit „Here Comes The Cowboy“ die Skater und Indie-Kids unter seinen Fans vor den Kopf stoßen, die wahren Musikkenner allerdings verwöhnt er mit einem Album, das luftig-leicht daherkommt und bei jedem neuen Hören besser klingt. Er ist zum Perfektionisten geworden und nun vor allem eins: Erwachsen.