Princess Chelsea öffnet auf “The Loneliest Girl” ihr persönliches Märchenbuch

Es ist, als würde man ein Märchenbuch aufklappen, in dem sich lauter bunte, glitzernde Pop-Up-Blumen entfalten. Hauptfigur der Geschichte ist eine Prinzessin, die gerade mit dem Rauchen angefangen hat: Princess Chelsea. Die bunte Kunstfigur, die eigentlich Chelsea Nikkel heißt und in Auckland wohnt, hat ihr viertes Studioalbum veröffentlicht.

Auf “The Loneliest Girl” hört man den vertraut-verträumten und experimentellen Synth-Pop alias Indie-Baroque-Pop, den Princess Chelsea schon lange zu ihrem Signature-Sound gemacht hat. Und die Texte könnten direkt aus ihrem Tagebuch stammen. Auf eine sehr ehrliche, verspielte und kindliche Weise singt Chelsea auf ihrer neuen Platte über die einfachsten Dinge des Alltags. Darüber wen sie vermisst, wie sehr sie ihren Freund und die Musik liebt, und, dass Erwachsenwerden doch nicht so schlimm ist, wie befürchtet.

Ich weiss noch, als ich ein Kind war und meine Mutter mir abends immer aus diesen kleinen Märchenbüchern vorgelesen hat. Da war auch immer die Geschichte der “Kleinen Meerjungfrau” dabei. Ich meine jedoch nicht die von Disney herabgewürdigte, vom Kitsch durchtriebene Unterwasser-Odyssee, sondern die Originalfassung von Hans Christian Andersen. Ich habe lange nicht mehr darüber nachgedacht, bis ich das Video zu Chelseas Song “I miss my Man” gesehen habe. Darin sieht man Ausschnitte der Verfilmung des Märchens aus dem Jahr 1976. Und so ein Mist. In dem Moment wurde mir klar, wie traurig diese Geschichte eigentlich ist. Eine richtige Tragödie.

Chelsea hat mit ihrer Synthpop-Ballade einen neuen Soundtrack für diesen Film kreiert und mich zurück in meine Kindheit versetzt. Aber nicht nur mit diesem Song. Es gelingt ihr mit jedem Musikvideo, das bisher zum neuen Album erschienen ist, und generell mit jedem einzelnen Song der Platte, dieses Gefühl in mir hervorzurufen. Ich will dieses Album nicht weiter bis in die Unendlichkeit der 5 Sterne Galaxie befördern, aber es ist nunmal wirklich so gut, wie ich es sage.

Filmstill: “Die kleine Meerjungfrau”, 1976.

Weitere Highlights sind die Songs “Wasting Time”, “The Loneliest Girl” und “All I Need To Do”. Es sind poppige, eingängige Lieder, die aber trotzdem in der momentanen Musiklandschaft einzigartiger sind denn je. Und auch untereinander: Klar, es gibt diesen Stil, den sie streng befolgt. Schon seit Beginn ihrer Musikkarriere. Trotzdem gleicht kein Song dem anderen. Chelsea fasst auf diesem Album die Glanzstücke ihrer bisherigen Entwicklung zusammen. Melancholische Stücke, die von Retro-Synths, Glockenspielen, Streichern, funky Beats und zum Teil auch durch die Handschrift Jonathan Brees profitieren. Es ist Chelseas bisher beste Platte, auf der auch ihr Hit “Cigarette Duet” problemlos wieder Platz gefunden hätte.

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