AT THE B-SITES: SOMMER, ETWAS SONNE, SILENT EXPERIENCE

Nach seinem Debüt im letzten Jahr feierte das “At The B-Sites”- Festival am Samstag (08.09) im Jugendpark Köln sein Comeback. Das Konzept ist ein einfaches: sechs Bands und für das Publikum Kopfhörer, über die allein die Performances der Künstler gehört werden können. Street-Food und ein Zelt, in dem Klassiker wie „Mr. Brightside“ und „Overload“ mitgegrölt werden, runden das Bild ab. 

Vor einigen Monaten hatte ich Giant Rooks durch einen Beitrag des Uni-Radios “Eldoradio” entdeckt und sofort in mein Herz geschlossen. Vor allem „New Estate“ und „Mia & Keira (Days to Come)“ liefen schon nach erstem Reinhören auf Dauerschleife. Nachdem ich keines der Festivals, auf denen sie spielten, besuchen konnte, freute ich mich nun umso mehr, als ich mitbekam, dass sie in Köln spielen würden. Ohne weitere Details zu checken, bestellte ich mir online ein Ticket.
Als ich die Website kurze Zeit später nach dem Lineup durchforstete, stellte ich fest, dass es sich um ein Silent Festival handeln sollte. Mit dem Begriff konnte ich nicht viel anfangen. Ich stöberte ein bisschen und fand auf dem Instagram-Profil der Indieband Matija ein Video, auf dem die Crowd lauthals am singen war – aber vom eigentlichen Sänger war absolut nichts zu hören. Irgendwie komisch. Ich war gespannt, machte mir aber so meine Gedanken. Was, wenn das Ganze total awkward werden würde?

Bergfilm beim At The B-Sites Festival. Foto: Lost In A Moment

LUNIR machte den Anfang. Einige wenige ließen vor der Bühne ihre Hüften kreisen, die meisten schienen aber eher Gefallen daran gefunden zu haben, auf ihrer Picknickdecke sitzen zu bleiben und hin und wieder mal an ihrem Kölsch zu nippen. Als Bergfilm dann loslegten, schienen sich schon einige mehr vor die Bühne bewegt zu haben. Der ein oder andere bemerkte aber erst, wen er da vor sich hatte, als „California“ in seinen Kopfhörern ertönte. Durch diesen Song ließen sich noch ein paar mehr mitreißen.

Alice Phoebe Lu beim At The B-Sites Festival. Foto: Lost In A Moment.

Danach setzte die Dämmerung ein. Und plötzlich war die Stimmung eine ganz andere. Alice Phoebe Lou betrat mit ihrer Akustikgitarre und einer improvisierten Band die Bühne. Ihre Songs wirkten in der Atmosphäre romantisch, wenn nicht gar magisch. Die südafrikanische Singer-Songwriterin erzählte von in der Vergangenheit gespielten Konzerten und wirkte dabei ähnlich euphorisch wie ein Kind vor einem Süßigkeitenregal. Ich kann an zwei Händen abzählen, wie oft ich jemanden auf einer Bühne so habe aufblühen sehen. Wirklich schön.
Dann kamen die, auf die ich so lange gewartet hatte: Giant Rooks. Von ganz alten Songs wie „Itchy Feet“ bis zu ganz neuen, bisher unveröffentlichten, spielten sie ihr ganzes Repertoir durch. Die Performance war sehr dynamisch und hatte nach kurzer Zeit augenscheinlich jeden vor die Bühne gezogen. Die Jungs animierten immer wieder zum Tanzen und schafften es mühelos, die Menge zum Dancefloor zu machen.

Giant Rooks beim At The B-Sites Festival. Foto: Lost In A Moment .

Isolation Berlin ließen den Tag mit ihrer Show ausklingen. Bevor sie anfingen zu spielen, riefen sie noch einmal alle Künstler auf die Bühne. Mit „#wirsindmehr“-Bannern bewaffnet, gab es dann ein kurzes Statement zu den Vorfällen in Chemnitz. Ein Move, der ihnen allen – wie ich finde – sehr hoch anzurechnen ist. Tracks wie „Serotonin“ und „Schlachtensee“ versetzten das Publikum in Begeisterung.

Isolation Berlin beim At The B-Sites Festival. Foto: Lost In A Moment .

Mein Fazit: Silent Music ist ein tolles Konzept, das gerne mehr verbreitet werden darf und soll. Als Einzelner nimmt man die Musik viel intensiver wahr, der Umgang zwischen Publikum und Künstler scheint viel intimer und – als kleines i-Tüpfelchen – Anwohner werden nicht vom Lärm gestört. Meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Insgesamt auf jeden Fall einen Besuch wert!

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