Requin Chagrin surft gekonnt auf der neuen französischen Welle

Angefangen hat alles mit jugendlich klingendem Surf-Rock. Die Französin Marion Brunetto verbessert auf ihrem zweiten Album “Sémaphore” die Klänge ihres vor vier Jahren erschienenen Debütalbums. Im Mai 2018 spielte sie Support für die französische New-Wave-Band Indochine, dessen Sänger Nicola Sirkis sie unter Vertrag auf seinem neuen Label “KMS Disques” nahm.

Zwar bekam Marlon mit 13 Jahren Gitarrenunterricht und beherrscht daneben auch noch weitere Instrumente wie Drums – nachdem sie 2015 auf einer französischen Musikbühne entdeckt wurde und auf viel positives Feedback und Anfragen für Live-Auftritte stieß, beschloss sie dann schleunigst eine Band zu gründen. Für ihr zweites Album hat sie sich zudem Hilfe von Adrien Pallot, dem Direktor der neuen französischen Welle schlechthin (Fauve, Moodoid, Grand Blanc) geholt.

Foto: Ella Herme

Ein durchaus einheitlicher Sound umhüllt das komplette Album. Der lockere Surfsound der Gitarren bildet einen schönen Kontrast zu Marlons tiefer, weicher Stimme. Elemente eines Orgelpianos wie in “Dans le cœur” verstärken diesen Effekt. Mehrstimmiger Hintergrundgesang wie in “Croisades” verleiht dem Album eine verträumt, psychedelisch angehauchte Atmosphäre und eine besondere Dynamik. 

“Ich versuchte, neue Sounds zu erforschen, als ich in die magische Welt der Effektpedale eintauchte und den Weg zu mehr aquatischen Gitarren ebnete, die mir wirklich halfen, meinen Sound zu füllen”

Die “aquatischen” Gitarren, wie sie die Musikerin nennt, werden durch eine zurückhaltende Bassline und einem weich-klingendem Drumset begleitet. Manchmal tritt diese Bassline auch ein wenig mehr in den Vordergrund, wie in “Soleil blanc”. Fast alle Songs auf dem Album drücken eine angenehme Stimmung aus, die zwar melancholisch wirkt, aber dennoch nicht bedrückt. Weder schwere Tiefe, noch euphorische Höhenflüge bietet “Sémaphore”: es liegt eine durchgehende, entspannte Stimmung vor, die an das Meer und an laue Sommernächte erinnert. Diese Stimmung umrahmt das komplette Konzept des Albums. Mit Titeln wie “Riviéres” (Flüsse), “Blanc soleil” (weiße Sonne) wird diese sommerliche Meeresstimmung deutlich. Mit Titeln wie “Nuit” (Nacht) oder “Mauvais présage” (Schlechtes Omen) wiederum die melancholische Seite.

“Sémaphore” ist für Marion Brunetto so etwas wie ein Wendepunkt: Ein Punkt, an dem man, wie sie in “Croisades” (Kreuzzüge) beschreibt, gerne Segel setzt, bis zum Ende des Abenteuers und der Rückkehr zum Ausgangspunkt in “Le grand voyage” (Die große Reise). Der Surf-Rock, den Marion auch in diesem Album mit einfliessen lässt bildet daher eine passende Metapher für die Aussage ihrer Lebensreise, auf die Requin Chagrinden Hörer mitnimmt. 

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