Jackie Charles: Future Fantasies und verzerrte Nostalgie

Die dreiköpfige Band “Jackie Charles” feiert das Leben in der Vergangenheit, unpassende Gefühle und traurige Geburtstage. Sängerin Kaja und Gitarrist Andrew im Interview über ihre Musik und Gedanken.

Die Musik von Jackie Charles wirkt vertraut. So, als habe man sie schonmal irgendwo gehört. Doch man scheitert bei dem Versuch Parallelen zu finden. Denn Jackie Charles hört sich eigentlich nur nach Jackie Charles an. Was man hört ist bloß der Klang der Nostalgie.

Eigentlich gibt es keine Jackie Charles, denn der Name ist komplett aus der Fantasie gegriffen. Als Kaja ihre Freunde fragte, welcher Name mit dem Anfangsbuchstaben “J” gut zu ihr passen könnte, antworteten diese “Jackie”. Und wenn Kaja sich einen männlichen Namen aussuchen dürfte, wäre das “Charles”. Die lästige Frage nach dem Bandnamen ist hiermit schnell beantwortet. 

Foto: Nicole Stieben / Muza Magazin

Kaja kommt ursprünglich aus dem nördlichen Teil Norwegens. Aus einem kleinen Dorf mit gerade mal 700 Einwohnern. Wie viele junge Künstler zog es sie dann irgendwann nach Berlin: “It’s the place you come to when you’re different and then you are here and you are normal and no one judges you of being weird.” Damals wollte sie es mit der Stadt zunächst für sechs Monate ausprobieren, jetzt lebt Kaja bereits seit vier Jahren zwischen zwei Welten. Denn einmal im Monat pendelt sie zurück in ihre Heimat nach Norwegen – für sie ist es genauso ein zu Hause wie Berlin. 

Foto: Nicole Stieben / Muza Magazin

Dass Jackie Charles einfach nur nach Jackie Charles klingt, da sind sich die insgesamt drei Bandmitglieder auch einig. Kennengelernt haben sich die beiden Gründungsmitglieder Kaja und Andrew vor ein paar Jahren in einer Zahnpasta-Fabrik. Damals haben sie dort beide gearbeitet. Und glaubt man der Geschichte von Gitarrist Andrew, so verloren beide ihren Job, als sie eine Methode entwickelten, um auch den letzten Rest aus jeder Zahnpastatube herauszubekommen. The Toothpastes hätte vielleicht auch einen guten Bandnamen abgegeben. 

Foto: Nicole Stieben / Muza Magazin

Aber nicht nur die Anfänge der Bandfindung Jackie Charles sind skurril. Bandleaderin Kaja hatte schon als Kind untypische Interessen. Mit fünf Jahren hörte sie zum ersten Mal Mozarts “Zauberflöte”, woraufhin sie sich als kleiner Klassik-Fan entpuppte: “I was totally in love with it and then I started my own small orchestra and was always singing opera stuff.”

Foto: Nicole Stieben / Muza Magazin

In der Schule wählte Kaja statt Deutschunterricht lieber Zirkusstunden, in denen sie lernte Flammen zu schlucken. “Well in the end it would have been more clever to learn german instead of swallowing flames.. but yeah, my school was a little bit different”. Nicht den Erwartungen der Gesellschaft entsprechen – das will Kaja auch beim Thema Gefühle. Sich so fühlen, wie sie es in dem Moment für richtig hält: “I like to mix sadness and happiness in the same lyrics. I like contrasts.” So handelt das Lied “Birthday Song” etwa nicht von euphorischen Beglückwünschungen, sondern von einem miserablen Geburtstag, der den hohen Erwartungen nicht gerecht wurde. “I had one birthday that was really bad. As childs we were always so amazed about our birthdays and then we grow up and it just gets disappointing.” 

Die zweite Single-Auskopplung des Debütalbums, “Time Travel”, handelt über das Leben in der Vergangenheit und das diese in den eigenen Erinnerungen meist schöner abgespeichert ist, als sie tatsächlich war. Doch Kaja ist trotzdem der Meinung, dass man in der eigenen konstruierten Version der Vergangenheit leben kann und sich dabei wohlfühlen darf. Man muss nicht immer im Hier und Jetzt sein: “Even if my nostalgia is a distorted version of how it probably was.. Sometimes I don’t want to be in the present and I think thats okay. If it makes me happy to not be in the present but why shouldn’t I be able to dream about the past?” 

Foto: Nicole Stieben / Muza Magazin

Aber nicht nur über die Vergangenheit denken die Kaja und ihre Mitmusiker nach. Auch die Zukunft gibt ihnen zu denken: “At the moment it’s all very chaotic out there and our generation is part of a very nervous time. But we believe that there is hope somewhere and that it’s all gonna turn out good.” 

Das Album “Future Fantasies” ist seit dem 12. April 2019 überall verfügbar. 

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