Zala Kralj & Gašper Šantl: der Indie-Act des ESC2019

Dieses Jahr gab es beim Eurovision Song Contest eine große Überraschung: Slowenien. Die zu unrecht nach hinten platzierten Zala Kralj und Gašper Šantl sind die wahren Gewinner – und stellten alles andere (auch Madonna) in den Schatten.

Auf gute, hochwertige Musik-Acts hofft man beim ESC ja bekannterweise vergeblich. Jedes Jahr ist es mehr so etwas wie eine gute Entschuldigung dafür sich Trash-TV anzuschauen. Und da die Show auf öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt wird, gilt das ganze also gewissermaßen als hochwertiger Trash!

Insgeheim hofft man ja doch darauf, dass entweder Deutschland endlich mal eine/n aussagekräftige/n TeilnehmerIn ins Rennen (um was eigentlich?) schickt oder die anderen Länder sich mehr Gedanken um ihre musikalische Repräsentation machen (zweiteres ist immer viel wahrscheinlicher). Doch wie immer Fehlanzeige. Eine überproduzierte, schmierige Chart-Abklatsch-Nummer jagt die nächste. Und dieses Jahr war es zudem endlich so weit: eine Weltmusikerin kann sich ohne große Probleme zwischen den ESC-TeilnehmerInnen im Programm einreihen. Was wäre wohl passiert, wenn Madonna für ein Land angetreten wäre? Wohl Alles oder Nichts.

Dieses Jahr gab es zwischendurch aber auch ein wenig erfrischende Abwechslung – wie beispielsweise Tschechien mit Lake Malawi und dem Song “Friend of a Friend”. Ein catchy Hit á la The 1975 des kleinen Mannes. Aber irgendwie dann eben doch zu glatt poliert und viel zu bemüht. Und was soll eigentlich dieses krampfthafte Dauergrinsen? (Cooles Bühnenbild tho!)

Immer noch zu viel Schnick-Schnack – zu wenig Fokus auf der Musik und, vor allem, dem Song. Naja, aber der Bezug zum Wesentlichen ist dieser Show ja schon seit Jahren abhanden gekommen.

Zwischen den typisch überladenen ESC-Performances ging das Duo um Zala Kralj und Gašper Šantl dann so gut wie unter. Der zurückhaltende, ruhige und total sphärische Song “Sebi” wirkte schon fast deplatziert auf solch einer riesigen Bühne. Ganz in Weiß gekleidet, nur vor einer Kosmosprojektion, verfielen Zala und Gašper in eine total intime Performance, umhüllt von dem weichen Klang der slowenischen Lyrics. Wodurch sie einen viel zu krassen Kontrast zum restlichen Programm schufen – und das gelang ihnen (wohl ungewollt) um einiges besser als zB den Isländern Hatari, die es wiederum extrem auf eine exzentrisch-provokative Nummer angelegt hatten.

Was auch ungewohnt war: das Paar blickt weder ein einziges Mal in die Kamera, noch ins Publikum. Zala sang den Song im Prinzip nur für Gašper – und wer das nicht gerafft hat: “Sebi” bedeutet zu deutsch “für dich”.

Erleichtert küssen sich die beiden kurz zum Schluss und es folgt ein unbeholfenes Winken als Verabschiedung. “Zwei schüchterne Krankenpfleger beim ersten Date” – war der anschließende (zugegeben sehr treffende) Kommentar des Kult-Moderators Peter Urban.

Es ist schade, denn Slowenien war wohl diesmal eines der wenigen Länder in der ESC-Geschichte, welches ihre antretenden Musiker mit Bedacht und anhand von Qualität ausgewählt hat. Doch vor allem hat Slowenien mit der Entscheidung einen Indie-Act antreten zu lassen auch großen Mut bewiesen. Leider verfehlten Zala und Gašper aber die glamouröse Trash-Schiene und verkörperten dafür umso mehr Individualität, Authentizität und die Stimme einer jungen Generation, die sich, genau wie die beiden, in der heutigen Zeit ein wenig unbeholfen und alleine gelassen fühlt. Die Jury und auch das Publikum Europas (und ein wenig darüber hinaus) konnten sie damit trotzdem nur für Platz 13 überzeugen. Völlig okay im Endeffekt, denn so haben sie sich immerhin ihren Ruf als ziemlich guter Indie-Act bewahrt.

Input your search keywords and press Enter.