Metronomy – “The English Riviera”

Überall stößt man auf Top-Listen und plötzlich fangen alle an darüber zu reden: die besten Alben der letzten zehn Jahre. Und das aus dem Grund, da in wenigen Wochen das Jahr 2020 eingeleitet wird. Ein neues Jahrzehnt, spannend und ein bisschen beängstigend vielleicht auch. In unserer Kategorie “Lieblingsalben 2010-2020” werden sich in der nächsten Zeit einige Beiträge ansammeln, über Alben, welche der Muza Redaktion aus den letzten zehn Jahren besonders ans Herz gewachsen sind.

Es gibt wenige Alben der Popmusik, die man als „zeitlos-modern“ bezeichnen kann, denn sie ist per Definition schon ein Kind ihres Zeitgeistes, nur für einen Moment in Mode und dann schon wieder überholt. Überhaupt: Was ist schon zeitlos in der Musik? Metronomys  Meisterwerk „The English Riviera“ von 2011 gehört zu den wenigen Werken, die auch nach fast zehn Jahren noch modern klingen. Und es bleiben werden.

Einfachheit ist das Konzept des Albums. Wer große Orchesterklänge und überwältigende Arrangements erwartet wird hier enttäuscht. Kein episches Feuerwerk, keine Stadionhymnen in den Refrains. Nein, „The English Riviera“ ist ein ausgesprochen subtil. Simpel, klar und an keiner Stelle zu viel. Hier findet sich Schönheit in den Grundbausteinen: In einem trockenen E-Bass, der herrlich satt zum Tanzen einlädt, in einfachsten Sythesizerklängen, in eingängigen Melodien. Metronomy spielen Popmusik in ihrer gänzlich nackten Form. Ungeschminkt. Und dennoch immer tanzbar und eingängig. Nüchtern lagern sich analoge Teppiche aus Synthesizern über rudimentäre Tanz-Rythmen und Loops während Joseph Mount seiner Kopfstimme den modernen Hedonismus besingt. Keine Effekthascherei, sondern klassische Keyboardklänge. Keine programmierten Hi-Hats, sondern Oldschool Schlagzeug. Die Songs klingen Retro und dennoch wie aus der Zukunft, aufregend und dennoch beruhigend, einheitlich und dennoch nie langweilig. Hochwertig, ja erwachsen hört sich „The English Riviera“ an ohne jemals kitschig, prätentiös oder altbacken zu wirken. Von der nächtlichen Atmosphäre von „She Wants“ und „Loving Arm“ über die erfrischenden, tänzelnden Vocals von Drummerin Anna Prior und Roxanne Clifford auf „Corinne“ und „Everything Goes My Way“: Allem hängt eine gewisse Noblesse an, die das Werk zu einem Ganzen fügt.

Es ist Album wie eine Bauhausvilla mit Meerblick an der Küste. Bei englischer Eleganz folgt hier die Form ihrer Funktion. Ein wahrer Klassiker der Popmusik.

Roman’s Lieblingsalben der letzten zehn Jahre im Überblick:

Metronomy: The English Riviera (2011)

Grimes: Art-Angles (2015)

Tame Impala: Lonerism (2012)

Kendrick Lamar: How To Pimp A Butterfly (2015)

Fleet Foxes: Helplessness Blues (2011)

Kamasi Washington: The Epic (2015)

David Bowie: Black Star (2016)

Death Grips: The Money Store (2012)

Ross From Friends: Family Portrait (2018)

Idles: Joy As An Act Of Resistance (2018)

Mac Demarco: 2 (2012)

La Femme: Psychotropical Berlin (2013)

Arctic Monkeys: AM (2013)

Drangsal: Harieschaim (2016)

Alabama Shakes: Sound&Color (2015)

Alt-J: An Awsome Wave (2012)

International Music: Die Besten Jahre (2018)

Yung Hurn: Love Hotel EP (2017)

Tyler The Creator: IGOR (2019)

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