Endgültig der König der Misere und der Nacht – Jonathan Brees “Sleepwalking”

Das dritte Album des Neuseeländischen Musikers Jonathan Bree ist am heutigen Tag erschienen, in welchem sich der Künstler immer mehr einer Kunstfigur hingibt, seinem eingängigen Sound jedoch noch sehr treu verbleibt.

Während auf dem Coverbild seines Debüts “The Primrose Path” noch deutlich ein Gesicht zu sehen war, versteckte Bree sich ab dem zweiten Album “A Little Nightmusic” lieber hinter einer Maske. Diese Performance hat sich nun um “Sleepwalking” herum verstärkt – denn der Musiker trägt nun eine Art Morphsuit unter seinem Rollkragenpullover.

Stark instrumentiert mit Streichern, Hörnern, Celesten und Soprangesang. Seine Arrangements zeichnen sich durch den Einfluss des orchestralen Pops einer längst vergangenen Ära aus. Inspirationen sind zum Beispiel Lee Hazlewood und Nancy Sinatra. Und trotzdem klingt auch das neue Album, wie etwas, was sich zwar nicht ganz auf den Schienen des Zeitgeist aufhält, jedoch auf sehr beachtlichen und individuellen Gleisen verläuft.

Langsame, fast schon schwer melancholische Stücke reihen sich auf “Sleepwalking” aneinander. Sie erinnern, unweigerlich, an die Nacht. An Nächte, die von Stille und Sehnsucht umgeben sind und in deren dunkler Luft sich noch vor wenigen Augenblicken noch der letzte Lichtstrahl eines Scheinwerfers aufgelöst hat. Der Schlaf, die Träume und das Schlafwandeln, welches durch die innere Unruhe ausgelöst wird – alles Assoziationen, die mit dem Album in Verbindung gebracht werden können. Denjenigen, die regelmäßig mit Schlaflosigkeit zu kämpfen haben, könnte die Platte vielleicht auch weiterhelfen – denn typisch für die Stücke von Jonathan Bree ist die ruhige, verhaltene und geheimnisvolle Atmosphäre.  Behutsame Streicher und Klänge des Celesta, wie zB in “Roller Disco” oder “Characters” und sanfte Flüsterstimmen wollen den Hörer ins Land der Besinnlichkeit und Träume einladen. Ich möchte nicht mit dem Begriff “Ohrwurm” hantieren, aber Songs wie “Valentine”, “You’re So Cool” oder “Fuck It” haben durchaus das Zeug dazu. Auch singt Chelsea Nikkel, besser bekannt als Princess Chelsea und Ehefrau Brees, auf “Static” und “Plucking Petals” mit. Bereits 2011 nahmen die beiden den Song “Cigarette Duo” auf. Weitere Features tragen die Sängerinnen Crystal Choi und die Clara Viñals bei. Das wäre so ziemlich auch das einzige, was auf “Sleepwalking” neu ist, im Gegensatz zu den vorherigen Alben.

Jedoch ist der bereits bekannte und vertraute Ausdrucksstil Brees, welcher auch wieder in vollem Zuge auf der neuen Platte verkörpert wird, keineswegs negativ aufzufassen – denn Jonathan Bree ist ein Künstler, dem es gelingt seinen signifikanten Stil beizubehalten und fortan weiterzuführen, ohne dass Langeweile aufkommt. Denn seine Hörer wollen und mögen genau das an seiner Musik, die in sich bereits äußerst einzigartig und vielsagend ist. Und auch das Thema der Nacht scheint den Musiker nach wie vor zu reizen und dient wohl als starke Inspiration. So trug der Vorgänger zu “Sleepwalking” den Titel “A Little Night Music” und spielte damit zudem auf die klassischen Elemente in den Songs an.

Alles in Allem eine wirklich gute Platte, auf der sich mal wieder wunderschöne Stücke befinden. Auch wenn diese bislang nur eine eher kleinere Gemeinde an Hörern begeistern mögen, so lohnt es allemal sich das Album mal vorzunehmen – auch wenn einem der Name “Jonathan Bree” bis kurz vorhin noch nichts sagte.

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