Ehrlich verliebt in die 80er – FIBEL im Interview

Schrill, Pink und ein wenig extravagant. Ja, es gibt heutzutage zugegebenermaßen wirklich sehr viele Bands, die sich am vergangenen Geist der 80er Jahren orientieren und diesen deutlich in ihren musikalischen Stil einfließen lassen. Und das Phänomen scheint nicht gerade erst vor ein paar Monaten präsent zu sein. Auch MGMT und Arcade Fire haben auf ihren aktuellen Platten deutlich gemacht, dass der Sound vor 40 Jahren auch in der heutigen Zeit mehr als gut ankommt.  Manche gehen sogar so weit, dass zeitgemäße Strukturen fast komplett abgelegt werden und eine Art Revival entsteht.

Die Band “FIBEL” (bestehend aus  Jonas, Dennis, Lukas und Noah) macht irgendwas dazwischen. Ihr Mix trägt die Schlagworte Post-Punk, Synth-Pop und …Neue Deutsche Welle! Anfang der 80er haben sich Musiker in Eckkneipen irgendwann gegen den Trend der englischsprachigen Popkultur gestellt und fingen an deutschsprachige Texte zu verfassen. Dies betraf anfangs nur Underground-Bands und entwickelte sich wenige Jahre später zu einer wahrhaften Sensation. Die NDW formte einige Künstler wie Nena, Trio oder Falco, welche auch international großen Erfolg hatten. Die wohl erfolgreichste Zeit für Deutsche Rock- und Popmusik. Der Trend schlug große Wellen, welche auch die Ufer von heute noch zu erreichen scheinen.

Es gibt heute eine so große Bandbreite an Musik, in die man durch Streaming und Co eintauchen kann. Damit muss man fast erstmal zurecht kommen. Ich als großer Indie-Fan feier aber extrem was da grade besonders in Deutschland an neuer Musik entsteht. Zum Retro-Trend: Ich glaube wir sind fremdbestimmte Wesen und das was aus uns rauskommt steht immer in Zusammenhang mit dem was auf uns einwirkt. Ganz einfach gesagt ist es eben eine Mode, was ja aber nicht ausschließt das man in das was hinter der Mode steht, also z.B die Musik und Kunst der 80er Jahre, nicht ehrlich verliebt sein kann.” meint Bassist Lukas.

Zeilen von Ian Curtis und Poeten wie Rio Reiser 

Neben dem Einfluss der NDW nennt Jonas auch das musikalische England zu der Zeit. “Grade Dennis und ich sind riesen Fans britischer Bands der 80er Jahre. Für mich ist das vor allem Joy Division und die Texte von Ian Curtis. Die Zeile „I´ve got the spirit, but lose the feeling“ aus Disorder berührt mich immer wieder. Dennis Gitarrenspiel wird oft grinsend mit „The Smiths“ kommentiert. Kein Wunder – Dennis liebt diese Band. Gleichzeitig begeistern mich auch Wortakrobaten wie Falco und Poeten wie Rio Reiser. Das fließt natürlich unweigerlich auch ins Songwriting mit ein.”

Foto: CAPADOL

Sie haben ihn ermordet, sie haben ihn erstochen und ich habe es gesehen / Sie nahmen ihm das Herz, sie nahmen ihm die Hoffnung

In ihrer Single “Kommissar” beschreibt Sänger einen plötzlichen Mord im Treppenhaus, der auf irgendeine Weise doch voraussehbar war. Ein eiskalter Mord mit Zeugen. Doch wie kommt man darauf, in einer Songtexte Landschaft wie heute, wo es häufig um Liebe, Sehnsucht und Weltschmerz geht, einen Text über einen Mordfall im eigenen Treppenhaus zu verfassen?

Jonas (Sänger): “Texte entstehen bei mir immer komplett aus dem Affekt. Ich versuche Gedanken möglichst so zu Papier zu bringen wie sie mein morsches Hirn durchlaufen. Deswegen sind sie oft auch nicht ganz klar und abstrakt – so wie man eben meistens auch denkt. Die Geschichte ist demnach vielleicht auch gar nicht so eindimensional, wie sie zuerst erscheint. Sie erzählt für mich vielmehr von fehlender Empathie und einer Art Voyeurismus bei dem man Gefallen aus dem Beobachten des Dunklen zieht, anstatt sich ihm entgegenzustellen.”

Doch wie geht es jetzt weiter? Morgen, am 15. Juni erscheint die erste EP, einige Konzerte und Festivalauftritte sind für diesen Sommer angekündigt. Was sind wohl künftige Vorhaben und Pläne? Lukas: “Wir rutschen so langsam in eine neue Songwriting-Phase für das erste Album und wollen natürlich dieses Jahr noch möglichst viel live spielen. Erstmal stehen da noch einige Festivals in diesem Sommer an und im Herbst kommt vielleicht noch das ein oder andere Konzert dazu – mal sehen.” 

Nach einem geheimnisvollen Song wie “Kommissar” kann man gespannt sein, was die EP sonst noch zu bieten hat. Fakt ist, dass FIBEL definitiv einen Kultfaktor besitzen und der Farbe Pink einen neuen Weg einräumen. Alle Tourdaten findet Ihr auf http://www.fibelmusik.de/.

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